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Von Pillen und Granaten - ein spielkundiger Linguist erklärt die Fussballsprache

Der Linguist und Autor Armin Burkhardt im Interview

Jubalani Foto vergroten (© dpa/picture alliance) Spieler semmeln die Pille über den Kasten, begeistern durch Übersteiger oder als Abfangjäger. Abgesehen von Fußballfans weiß nicht jeder sofort, wovon die Rede ist. Abhilfe schafft das „Wörterbuch der Fußballsprache“ von Armin Burkhardt.

Was charakterisiert die Fußballsprache?
Die Sportsprache generell ist sehr bildhaft. Beim Fußball ist sie in dieser Richtung am weitesten entwickelt, weil gerade diese Sportart sehr stark in der Öffentlichkeit steht. Es wird viel mehr darüber geredet. Und auch das Spielgeschehen kann sehr unterschiedlich sein. Dafür braucht man sehr viele Wörter.

Es gibt einen Hang zu Kriegsmetaphern, warum?
Die finden viele nicht so besonders schön, was ich gut nachvollziehen kann. Manche sind auch übertrieben, wenn man eben von Granaten und vom Bomber der Nation spricht. Auf der anderen Seite hat das damit zu tun, dass sich beim Fußball wie in vielen anderen Mannschaftssportarten immer zwei Parteien gegenüber stehen und mit „zivilisierter Gewalt“ bekämpfen. Das macht Kriegsmetaphern besonders geeignet. Außerdem spielt Kraft eine große Rolle.

Es gibt auch weniger kriegerische Wörter, die nicht sofort an Fußball erinnern: Schwalbe, Regisseur, Fliegenfänger. Ist Fußballsprache prädestiniert für Metaphern?
Das sieht man allein an der bloßen Zahl der Metaphern. Reporter, gerade im Radio, können sehr kreativ sein. Der Jargon ist auch immer einfallsreich und zieht Analogien und setzt sie in Metaphern um. Der Fußball hat sich im Laufe der Zeit auch gewandelt. Für neue Techniken und Spielsituationen brauchte man neue Bezeichnungen. Wenn ein Spieler plötzlich anfängt, technisch anders zu spielen, ein ballführender Spieler im Zweikampf eine andere als die geplante Laufrichtung vortäuscht, entstehen Bezeichnungen wie Übersteiger.

2.200 Stichwörter sind eine Menge. Wo sind Sie fündig geworden, vor allem für die Belege?
Ich habe viele Zeitungsartikel gelesen, später gezielt gesucht, da man in Zeitungen nicht alles findet. Ich wusste, dass es Wörter gibt, die mehr dem gesprochenen Jargon angehören, und weniger der Sportberichterstattung. Ein Beispiel: Fummelpapst, also ein Spieler, der den Ball zu lange hält und sich häufig festdribbelt. Das Wort findet man in der Zeitung eher nicht. Solche Sachen wurden dann gegoogelt.


Autor: Ines Gollnick

Zuerst erschienen bei www.goethe.de

Bearbeitete Fassung

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts

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